Leipzig. Wie berichtet, kommt nun Bewegung in die längst fällige Sanierung der Leipziger Radrennbahn in Kleinzschocher. Zu den maßgeblichen „Treibern“ des Vorgangs zählen Detlef Petermann und Erik Schluckner. Letzterer ist stellvertretender Vorsitzender des 2015 gegründeten Stadt- und Kreisverbandes Radsport (SKR), Petermann ist SKR-Gründungsmitglied und Präsident des Radsportvereins AC Leipzig. Der 67-Jährige war und ist selbst Radsportler und der ältere Bruder des früheren Profis Andreas Petermann, der unter anderem für die DDR Weltmeister im 100-km-Mannschaftszeitfahren war.

Für Detlef Petermann ist die „Roschi“, wie Leipzigs unterdessen unter Denkmalsschutz stehende Radrennbahn in Anlehnung ihres früheren namens „Alfred-Rosch-Kampfbahn“ zuweilen noch genannt wird, eine Herzenssache. Doch nicht zum Selbstzweck, sondern: „Der ACL zum Beispiel hat hier an die 40 Kinder im Trainingsbetrieb, die brauchen eine Übungs- und Wettkampfstätte“, erklärt der gelernte Diplom-Bauingenieur, der sich im Ehrenamt um die Belange seines Lieblingssports kümmert. „Als wir uns mit unserer Bitte um Sanierung der Bahn an die Stadt wandten, wurden wir angesichts der Fülle an ähnlichen Wünschen anderer Sportarten und Vereine erstmal weit hinten eingeordnet. Außerdem waren wir weder Pächter noch Eigner der Sportstätte und mithin nicht berechtigt, Fördermittel zu beantragen.“

Deshalb schlug Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal vor, dass der SKR nur die Bahn in Pacht nehmen solle. „Das gesamte Objekt wäre für uns einfach zu viel gewesen“, bekennt Petermann. Also stimmte der SKR dem Vorschlag zu.

Um Wettkämpfe und andere Veranstaltungen durchführen zu können, muss sich der Verband allerdings auch um den Brandschutz und Fluchtwege kümmern. Für beides ist der SKR als Pächter förderberechtigt. „Stefan Bär vom Landessportbund half uns enorm bei der Orientierung im bürokratischen Förderdschungel“, so Petermann. Da dafür die Umsetzung der nun eingeleiteten Maßnahmen insgesamt 1,4 Millionen Euro veranschlagt sind, müssen zehn Prozent Eigenmittel, also immerhin 140 000 Euro, vom Verband selbst aufgebracht werden, der große Rest kommt aus Fördermitteln.

Der Eigenanteil ist kein kleiner Brocken, aber Petermann, Schluckner und Co. stellen sich der Aufgabe. „Wir wollen das mit Werbepartnern und durch Spenden stemmen“, sagt Petermann mit einem gesunden Schuss Zuversicht. „Wir müssen eben in Schritten vorgehen und immer dranbleiben.“ Die Gesamtsanierung der trotz aller Vandalismus- und sonstiger Schäden noch immer sehenswerten Arena wird ein ganzes Stück mehr kosten. „Wir haben dafür eine Konzeption entwickelt und ahnen, dass das ein zäher Prozess wird. Mit Heiko Rosenthal und Ex-Radprofi sowie Stadtrat Jens Lehmann haben wir aber hilfreiche, konstruktive Unterstützer an unserer Seite. Uns ist freilich klar, dass die Stadt viele solcher oder ähnlicher Baustellen hat“, sagt Petermann, wohlwissend, dass es selbst auf einer Radrennbahn „Bergetappen“ geben kann – bürokratische und andere. Oder passender: Es sind Steherqualitäten nötig.

Er erinnert sich gern an große Sportereignisse wie die WM 1960, als an die 20 000 Zuschauer zur Bahn pilgerten, oder als zu Steher- und anderen Rennen bis zu 15 000 die Ränge füllten. Selbst zu K-Wagenrennen (heute Go Kart) war die „Roschi“ gut besucht. Solche Hochzeiten sind derzeit für diese nach wie vor attraktive Leipziger Sportstätte nicht in Sicht, aber Petermann sagt kämpferisch: „Was mich betrifft, ich bin Radsportler gewesen, also bin ich auch in dieser Sache beständig und ausdauernd.“ Genau das wird bei aller Freude über den aktuellen Fortschritt nötig sein.